Lyriktagebuch

Sanfte Feder

Schwierig wie nie

Es werden auch heute noch über das Lieben
Gedichte geschrieben.

Doch einerseits ist jetzt die Welt
so komplex

und andererseits denkt sie nur noch an Geld
und an Macht und an Sex.

Ach! Da ist die Liebe noch einmal so schwierig.
Genau wie die Lyrik.-

27.7.14

 

 

von Eugen Gomringer

Gold

Reden
ist
Silber

Schweigen
ist


31.7.14

 

 

Gesichtsbuch nach Wochen

 

Ich hab` mal wieder reingeguckt -
Facebook hat artig weiter facegebookt.

 

(Das facebookt halt so vor sich hin,
  ob ich nun drin bin oder draußen bin,
  das bookt so face, das facet so book,
  ob ich nun reinguck` oder nicht reinguck`.)

 

Ich fand, dann sei ja alles wunderbar -
Worauf ich wieder draußen war.

 

20.5.14

 

 

Ein Leben

Ein Leben mit Menschen aus Fleisch und Blut.
Ein Leben mit echten Freunden, keine falsche Flut.
Ein Leben mit Geheimnissen und Bekenntnismut.

Ein Leben mit Zeit für Kunst und Kultur.
Ein Leben ohne Pixel - Gedanken pur.
Ein Leben auch in Moll, nicht nur in Dur.

Ein Leben mit Holz und Steinen und frischer Luft.
Ein Leben zum Anfassen und mit einem Duft.
Ein Leben als Mensch und nicht in der Gruft.

Ein Leben ohne Facebook.-

18./31.5.14

 

 

Für E.

 

Schlage die Trommel und fürchte dich nicht und küsse die Marketenderin!

Das ist die ganze Wissenschaft. (Heinrich Heine)

 

Seit wir es miteinander treiben,

Hab' ich viel Stoff zum Schreiben

Und Kraft, aus meinen Sachen

Auch was zu machen!

 

Das Erste füllt nur meine Schränke,

Wenn ich nicht auch ans Zweite denke.

Das Zweite ist zumeist das Schwerste,

Doch geht’s nicht ohne jenes Erste.

 

So dank' ich dir voll Freude

Für alle beide:

Den Stoff und auch die Stärke.

Du bist der Engel meiner Werke!-

 

17.1.14

 

 

ausgeprägte Stirnglatze ("Vorgarten")

Die nackte Wahrheit

 

Sie sagen, dass der Mensch nach Wahrheit dürstet.

Ich glaube, lieber ist sie ihm gebürstet.

Die nackte Wahrheit ist doch vielen allzu nackt.

Die Mehrheit hat sie lieber eingepackt.

 

Man muss nur unsere Friseure fragen,

Wie Männer allgemein die Haare tragen!

Zwar gibt es manchen, der zu seiner Glatze steht,

Vor allem, wenn es nicht mehr anders geht,

 

Doch meist beobachtet man bei den Herren,

Dass sie sich gegen kahle Stellen sperren.

„Das Deckhaar bitte länger lassen! Fein!

Der Vorgarten soll nicht so deutlich sichtbar sein!“

 

Ja ja, so ist es bei fast allen Dingen,

Die uns den Kern zu klar zum Vorschein bringen!

Der nackte Schädel wird doch gern kaschiert.

Die Wahrheit trägt sich viel gefälliger – frisiert!-

 

25.1.14

 

 

Der verhinderte Prophet

 

R glaubte schon als Kind zu haben
Besondere Prophetengaben.
Auch hing R sehr an seiner Krume
Und dem ererbten Eigentume.
So wuchs R auf zur vollen Reife,
Auf dass R diesen Job ergreife.

 

Da sprach man: „Jung`, du gehst zuschanden!
Der Kerl gilt nichts in eignen Landen!
Du wirst auf Märkten stehn und schreien -
Du lebst nicht gut vom Prophezeien.
Dein Wunschberuf ist allzu schwierig…“

 

R dachte: „Schön. Mach` ich halt Lyrik.
Wenn`s schon nichts ist mit dem Prophetsein,
So will ich wenigstens Poet sein.
Denn wer auf alles einen Reim hat,
Gilt sicher viel in seiner Heimat.
Auch füllen handgesägte Verse
Gewiss genugsam meine Börse…“

 

So ward der gute Mann zum Dichter -
Mal schreibt R schwülstiger, mal schlichter.
R hat tagein, tagaus zu werken,
Was ihn verhindert zu bemerken,
Dass Geld wie Geltung sehr gering ist.
So tut R fröhlich, was sein Ding ist,
Und trägt sein Glück wie einen Orden,
Dass R nicht ein Prophet geworden-!

 

22.3.14

 

Anmerkung: R ist eine Kunstfigur.

 

 

 Handreichung

 

Zum Abschied

gabst du mir die Hand.

 

Ich danke dir

für diese Gabe!

 

Ich nahm die Hand

in meine Träume mit,

 

wo ich sie immer

bei mir habe.

 

14.2.14

 

 

Lustprinzip

Viagra
gibt es, dass die Lust erblüht.

Die Pille,
dass sie keine Pflichten nach sich zieht.

Kondome,
dass auch sonst kein Schaden draus erwächst.

So wird
fast folgenlos gesext.

Die Technik
frisst den Schaden und die Pflicht.

Allein
dem Papst gefällt es nicht!

 

4.4.14

 

 

Warum BUCHSTABENSUPPE

mein Leibgericht ist

 

Zunächst schau' ich in Ruh'

Der Suppe zu,

Wie sie so schön im Teller schwimmt.

 

BUCHSTABENSUPPE

 

Dann ess' ich U und U.

 

B CHSTABENS PPE

 

Und dann ist auch dem A

Der Tod bestimmt.

 

B CHST BENS PPE

 

Worauf das H

Sein Ende nimmt.

 

B C ST BENS PPE

 

Als nächstes fress'

Ich lustvoll die SS.

 

B C T BEN PPE

 

Und beide P'S

 

B C T BEN E

 

Und auch die beiden B's.

 

C T EN E

 

Sodann ein E (nur eines), denn

Das zweite brauch' ich noch.

 

C T N E

 

Gefolgt vom N.

 

C T E

 

Lang wehrt sich meist das T.

Ich krieg' es doch.

 

C E

 

Was bleibt, das ist CE -

Sprich: Christian Engelken.

 

CE

 

Und das bin ich ja dann wohl, wenn

Ich's richtig seh'-?

 

:-P

 

Ich steck' die beiden ein

Und nehm' sie mit.

So sind wir denn zu dritt

 

CE ;-)

 

Und feiern unser Sein!-

 

CE

:-)

 

 28.2.14

 

 

Über den Abrieb

Die sich nicht reiben,
haben nichts zu geben -
es löst sich
von ihnen nichts ab.

Die nichts zu geben haben,
haben nichts zu sagen -
und plapperten sie auch
das Blaue vom Himmel herab.

Die nichts zu sagen haben,
haben nichts zu schreiben -
ist alles am Ende
nur Papperlapapp…

 

5.7.14

 

Doppeldank
an Erich - „Was es ist“ - Fried

 

Ich danke ihm
für seine
vollkommenen
Gedichte.

 

Sie machten ihn
unsterblich
und taten der Lyrik
gut.

 

Ich danke ihm
für seine
vielen
unvollkommenen.

 

Sie machen ihn
so menschlich
und seinen Nachfolgern
Mut!

 

28.5.14

 

Anmerkung: Nach längerem Zögern habe ich „unvergesslich“ durch den klassischen Begriff „unsterblich“ ersetzt, obwohl der Mensch von heute mehr denn je um Schillers Wahrheit weiß: „Auch das Schöne muss sterben!“ (Nänie)

 


Ein Drittes

Sie sitzen
gegenüber sich,
vom Tisch getrennt.

Sie sagen nichts
und tun doch auch nicht,
was man schweigen nennt.

Denn zwischen ihnen,
da sind alle Worte,
die die Liebe kennt!-

6.7.14

 

 

Klassentier der Klasse 4a der Pfalzschule, Bergkamen

Der Tausendfüßler

 

Den Tausendfüßler

hat ein Fuß gezwackt.

Da kam der Tausendfüßler

aus dem Takt.

 

Auf seiner rechten Seite

war die Welt okay.

Doch auf der linken

tat ihm ständig etwas weh.

 

Fünfhundert Füßchen

haben rechts geklappert,

doch links hat immer eines

nachgetappert -

 

und schließlich fiel Herr

Tausendfuß in einen Graben!

 

Was bin ich froh, zwei Füße

und nicht mehr zu haben!

 

7.11.13

 

 

Die Eintagsfliege

 

Die Eintagsfliege lebte wiederholungsfrei

Ihr ganzes Leben lang:

Ihr Lebensabend war vorbei

Beim ersten Sonnenuntergang.

 

Ich beneide diese Eintagsfliege sehr:

Für diese Eintagsfliege war

Im Leben alles singulär

Und elementar!

 

28.8.13

 

 

Der Gewissensbiss

 

Sein Gewissen war schlecht:

Was er tat, war nicht recht.

 

Da hat das Gewissen

Von höchster Instanz ihn gebissen.

 

Es biss schmerzhaft und kräftig,

Ja, überaus heftig

Einmal urplötzlich zu!

 

Und dann ließ es ihn wieder ihn Ruh'...

 

25.9.13

 

Handyloge unterwegs

 

Der Handyloge schaute wie gebannt

Auf dieses Ding in seiner Hand.

So lief er durch die City

Und simste an die Kitty.

Er drückte wild darauf herum

Und schaute sich nicht einmal um.

Da lief er gegen die Laterne

Und er sah tausend Sterne!

 

Wer glaubt, dass ihm ein Licht aufging,

Der kennt sie nicht, die Handylogen!

Er griff nach seinem Drückeding -

Es war jetzt leicht verbogen,

Ein bisschen krumm und ziemlich schief,

Doch das war nicht das Schlimmste -

Worauf er weiter durch die City lief

Und an die Kitty simste...

 

27.6.13

 

Gedanken-

Betrachtung

 

Van Gogh

schnitt sich

ein Ohr ab.

 

Seinen

Augen

tat er nichts.

 

Ich gebe

dem Gedanken

Raum in mir.

 

Für einen

Augenblick

ist alles gut.

 

15./20.4.13

 

Anmerkung: Nach zweimonatigem Zusammenleben mit Paul Gauguin kam es Ende 1888 zu einem nie völlig geklärten Vorfall, in dessen Verlauf Van Gogh sich nach einem Streit mit Gauguin einen Teil seines linken Ohres (nach anderer Darstellung: das ganze Ohr) abgeschnitten haben soll, wie Paul Gauguin berichtete. Dieser kommt allerdings auch selbst als Täter in Betracht. Man fand Van Gogh am nächsten Morgen, bewusstlos und geschwächt vom Blutverlust. Gauguin benachrichtigte Van Goghs Bruder Theo und fuhr nach Paris. (nach Wikipedia)  

 

 

Ein Gedicht

 

Ein Gedicht muss nicht

gereimt sein.

 

Ein Gedicht verabscheut

alles Müssen.

 

Doch es darf.-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das muss man wissen.-

 

25.4.13

 

Zeichnung von Alexander Paul

Nordic Walking mit Hund

 

Ich leine Dich nicht an den Hosenbund.

Ich weiß, das hätt'st du gern, mein Hund.

 

Ich leine dich auch eingedenk

Des Risikos nicht an mein Handgelenk.

 

Du bliebst nur stehn und schnupperst,

                                             Nasenbär,

Was unsportlich und störend wär'.

 

Vielleicht stellst du mir auch ein Bein

Und wickelst mich in deine Leine ein.

 

Versteh`, ich treibe wahrlich harten

                                             Sport,

Und Sport - wie jeder weiß - ist Mord.

 

Mein Bärchen, ich hab' die Idee:

Ich leine dich - ich mein's nur gut, versteh' -

 

Ganz einfach unten an den rechten Stock.

Dann springst du wie ein Ziegenbock!

 

So hab' ich Beinfreiheit, werd' dünn,

Und du lernst auch was. Das nennt man

                                              Win-Win!-

 

21.3.13

 

Anmerkung: Die Leine sollte nicht zu lang sein.

 

 




und Vietnam und - Schweigen!

(nach Erich Fried)

 

Alle schrieben damals

über Indochina:

Vietnam, Kambodscha, Laos...

 

Aber wer schreibt über

all die Flüchtlinge,

die jetzt schon fliehen

vor dem großen Klimachaos-?

 

Jenes tat man einst,

weil's alle taten,

dieses tut man nicht,

weil's keiner tut:

So war's doch immer auf der Erde.

 

Und weil dieses keiner tut,

erscheint mir jetzt auch jenes

nur noch halb so heldisch.

 

Ach, die Menschenherde-!

 

25.6.13

 

 

Tanka im Hamburger Hafen

Ein etwas

langer Tag

in Hamburg

(fernöstliches

Gedicht)

 

 

1.) Tanka

 

Erst

am Hafen

Tanker

angeschaut.

 

Kinder,

das ging

vielleicht

unter die Haut :-)

 

 

2.) Haiku

 

Dann

bei Hagenbeck

der Haikuh

zugeguckt.

 

Unter der Haut

war's schon voll,

drum hat's keinen

gejuckt ;-)

 

 

5./6.1.13

 

 

Anmerkungen:

 

Das Tanka (jap. 短歌, dt. Kurzgedicht) ist eine mindestens 1.300 Jahre alte reimlose japanische Gedichtform (Waka) mit 31 Moren. Sie ist älter als das Haiku, das sich aus dem Tanka entwickelte. Ein Tanka beschwört den Augenblick, hält ihn fest mit Präzision und Musikalität. (laut Wikipedia)

 

Das oder der Haiku (jap. 俳句, dt. „lustiger Vers“; Plural: Haiku, auch: Haikus) ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das Haiku gilt zusammen mit dem Senryū als die kürzeste Gedichtform der Welt. Formal sind die beiden Formen identisch. Während das Haiku aber mehr der Natur zugewandt ist, befasst sich das Senryū mehr mit dem Persönlichen, dem Emotionalen. (nach Wikipedia)

 
 

Bauchgefühle

Manchmal hat man sonderbare Dinge,
Wie zum Beispiel Schmetterlinge
Oder sogar Hubschrauber im Bauch!
Nun, das gibt sich auch.

Hubschrauber sind schwer verdaulich,
Und das ist nicht sehr erbaulich.
Und nach ein paar Tagen
Geht die Liebe wieder durch den Magen!

 

7.2.13

 
 

Mein Haben

 

Ich fliege nicht,

habe nicht Handy noch Navi,

ich hasse die Netzwerke,

fahr' gern per Zug.

Ich dichte und denke,

ich bin unerreichbar,

das Zwitschern der Vögel

ist Twitter genug.

 

Ich fotografiere nicht,

meide das E-Book,

mein Anrufbeantworter

ist nicht aktiv.

Ich liebe das Sprachbild,

ich rieche an Büchern,

ich komme nachhause

und schreib' einen Brief.

 

Ich brauch' keinen Player

(nur manchmal CD),

ja, ich gehe sogar

ohne Laptop ins Bett...

Ich playe Klavier,

bin ein klassischer Spießer -

ich weiß, dass ich habe,

was jeder gern hätt'!-

 

30.10.12 (Weltspartag)

 

 

Ungehöriges Paar

 

Gleich

auf den ersten

Blick

 

war

das Verbindende

zu sehn:

 

Er war

unanständig

dick,

 

sie war

fast unverschämt

schön!



28./29.12.12

 
 
Blumentopf

Kleiner, bescheidener
Wunsch

Ich hab'
mit Umweltgedichten,
Ökoversen,
grüner Lyrik
noch nie

einen Lorbeerkranz
gewonnen,
geschweige
einen Blumentopf!

Ist das
in Ordnung?
Verlange ich
Schnittblumen?
Rosen-?

Keine Blüte
muss sterben
für die Erfüllung

meines kleinen,
bescheidenen
Wunsches!-

16.9.12

 
 

Die Unendlichkeit

der Sprache

 

Jeder Liter Wasser,

den ich trinke,

höre ich,

floss dreimal schon

durch einen Leib.

 

Und es kommt mir

wie ein Wunder vor,

als ich's

mit meinen Worten

ins Notizbuch schreib'!

 

16./17.9.12



 

Ein Hamster in einem Laufrad ("Radhamster").

Der Hamster

(Im Laufrad,

 3. Jtsd. n. Chr.)

 

Ich trete

auf der Stelle,

drehe mich

im Kreis.

Wann lern' ich

wieder,

still zu stehn?

Wann hör' ich auf,

mich um mich selbst

zu drehn?

 

Mein Leben ist

zum Punkt geworden.

Aber wenn ich

stehen bleib',

so werd' ich

viele andre

Punkte sehn

und kann von meinem

ruhig hin

zu ihnen gehn!-

 

15.9.12

 

Anmerkung: Anklänge an einen "Panther" sind rein unzufällig.

 



Ballade g-Moll op. 23 Nr. 1

 

Weiß einer von uns mehr als jener?

Er sagte alles einfach schöner.

 

Ist denn seit damals nichts geschehen?

Die Welt muss eben weiter gehen.

 

Wie passt das in ein kurzes Leben?

Es könnt' ihn heute nicht mehr geben.-

 

9.9.12

 

 

Das Internet. Aus dem Internet.

Internessie.

Ein Nasenzeugenbericht

 

Er hatte auch den Hals nicht voll

gekriegt -

doch eines Tages, was nicht oft

geschieht,

kam vor die Nase ihm das

Ungetüm!

 

Und als ihn dieser große Berg aus

Müll

so richtig angestunken hatte -

ach!

Da hatte er die Nase voll von

ihm!-

 

Anmerkung: Es ist doch eine wahre Freude, sowas mal im Internet zu veröffentlichen... ;-)

 



Der bessere Weg

 

Die Pathétique

ist geschrieben:

Weswegen soll der Mensch

noch Weltschmerz fühlen-?

 

Der Vietnamkrieg

ist vorbei:

Wogegen soll der Mensch

noch streiten-?

 

Wir haben

dazu gelernt:

Fröhliche Anpassung

ist der bessere Weg!-

 



Die Gruppe der Zweiflügler umfasst Fliegen und Mücken.

Die Mücke

und die Fliege

 

Die Mücke fliegt,

damit sie sticht.

Ich lieg' im Bett

und find's nicht nett.

Doch irgendwie

versteh' ich sie

(wenn sie zum Schluss

auch sterben muss).

 

Die Fliege fliegt

ins Lampenlicht,

fliegt wild herum

mit viel Gebrumm.

Die ist nur dumm:

Ich bring' sie um,

obwohl sie gut

und mir nichts tut!-

 

10.6.12

 



Materialien zur Entwicklung

der kürzesten Gedichtform der Welt

(nach Robert Gernhardt)

 

 

              OFFEN HEIT

 

                        GEGENW ARTSBEZUG

 

                   JAHRESZE ITENWORT

 

                      KONKRETHEIT

 

                        ANDEUTUNG

 

 

 

                                     FORMLOSIGKEIT

 

                                      B ANALITÄT

 

                   NEBELBILD

 

                                           GEISTESARMUT

 

                                                  SCHAUMSCHLÄGEREI

 

 

                         25./27.4.12





Nietzsche mit Mutter Franziska

Gott und

die Nietzsches

(nach 1 Sam 16,7)

 

„Gott ist tot“

schrieb

Nietzsche.

 

„Gott sieht

das Herz an“

sagte

seine Mutter,

no comment

die ihren Sohn

nicht las

und

nicht verstand.

 

Sie hatte

viel

verstanden!

 

26.5.12

 

 

Anmerkung: Nietzsche wendet sich in seiner Schrift „Götzendämmerung“ gegen dieses Bibelwort. Seine Mutter hingegen, „Pfarrfrau“ von eher schlichter Frömmigkeit, soll es oft zitiert haben. Hochinteressantes zum Thema "Nietzsche & Mutter" (resp. Schwester) fand ich bei der Suche nach dem einmaligen Foto s. o.  hier. Gottfried Benn nannte Nietzsche übrigens ein "großes Weltgenie". Erich Kästner freilich konnte sich des nachsichtigen Spottes (auch) nicht ganz enthalten und schrieb ein Epigramm zum Thema (er konnte das noch...):

 

Nietzsche

Sein Porträt

Keiner vor ihm, noch hinterher
warf je sein hüstelndes Gehirn
so stolz in die Brust wie er.
Zur Hälfte Schnurrbart, zur Hälfte Stirn -
er hatte es schwer. ;-)

 



Vom Umgang

mit dem Schweigen

 

1.) Das Schweigen

als Gast

 

Wie willst du

Schweigen

eintreten

lassen,

wenn es dir

im Grunde

nicht

willkommen ist?

 

Wer Schweigen

eintreten

lassen will,

muss es auch

herein

lassen.

 

Lass Schweigen

eintreten!

Mach ihm

die Tür auf!

 

 

2.) Das Schweigen

als Freund

 

Lass Schweigen

eintreten!

 

Mach ihm

die Tür auf!

 

Immer

wieder.

 

Sonst tritt es

die Tür

 

dir irgendwann

ein.

 

13.5.12



 

Der Punkt des Götterfunken

Vom Funken

 

Ein Funke

ist übergesprungen.

Warum-?

Das ist müßig zu fragen!

Sie können es

selber nicht sagen...

 

Sie funken

auf einer Frequenz.

Und so hat's zwischen

ihnen gefunkt.

Das ist alles.

Mehr weiß man nicht.

 

Punkt.

 

18.4.12





Kunst-Religion“

(nach 1 Kor 13,13)

 

Dafür leben

zu müssen,

das glauben

sie alle;

 

davon leben

zu können,

das hoffen

sie alle;

 

damit

zu leben,

das lieben

sie alle!-

 

7./9./12.4.12

 



Aufnahme von Michael Augustin, Indien 2012 Kuh stört Zwischenhandel

Die Straßenkuh

(eine Euterei aus Indien)

 

Die Kuh auf der Straße

steht stumm im Gebrumm.

Du siehst es mit Staunen,

fast nimmst du es krumm:

Was steht dieses Rind

auf der Straße herum-?



Aufnahme von Michael Augustin, Indien 2012 Bullenfreie Zone

Gemach! Nur kein Neid!

Eine Kuh ist nicht dumm:

Die Menschen sind eilig,

geschäftig, nie stumm -

das Rindvieh ist heilig

und bringt sich nicht um-!

 

18.3.12





 

 

Es

 

Als Kunstwerk

muss es

nicht beginnen,

 

wenn es

nur beginnt.

 

Als Kunstwerk

soll es

auch nicht enden:

 

Es soll

überstehn!

 

Dann wird es

zwischendrinnen,

 

wenn sonst

Kunstwerke

vorüber sind,

 

von selbst

sich wenden

 

und

als Kunstwerk

weitergehn!-

 

23.3.12





deine Hand

und ich

 

deine Hand

in die Hand

nehmen

 

die Schmalheit

deiner Hand

nachzeichnen

 

die Linien

deiner Hand

nachziehen

 

die Länge

jedes Fingers

und Fingernagels

begutachten

 

die Gelenke

auf ihre

Tauglichkeit

prüfen

 

deine Hand

streicheln

und vorsichtig

drücken

 

dir deine Hand

zurückgeben

 

18.2.12





Autsch -

Die späte Karriere

eines grünen Autors

(nach „Duden -

Das große Fremdwörterbuch“,

Mannheim 2007)

 

 

Autor werden wollen

als Tor gelten

 

sich autodidaktisch fortbilden

sich outen (kein Zweckoptimist)

 

out sein (nur Zweckoptimisten)

Outcast / Outlaw / Outsider

 

 

nicht Auto fahren

authentisch sein

 

Autisten ähnlich werden

autogenes Training machen

 

doch Auto fahren

autonom werden

 

 

Output erhöhen

Autographe anhäufen

 

gegen Automaten kämpfen

Autodafé befürchten

 

Autobiographie schreiben

Burnout - Autopsie

 

 

nie autark gewesen

nie Autogramme gegeben

 

australisches Outback verbrennt

Autorität gewinnen

 

nicht mehr als Tor gelten

äußerst anerkannter Autor sein

 

26./27./28.2.12





Anmerkung: Nochmal verändert. Puh. Jedes Gedicht ist heikel und kann misslingen. Es gibt keine anderen. Aber das ist auch das Spannende. Man fängt immer wieder bei Null an. Die Poesie muss immer wieder neu erfunden werden Das ist wie Integralrechnung.

 

Zu dieser steilen These Wikipedia: "Im Gegensatz zur Differentiation existiert für die Integration auch elementarer Funktionen kein einfacher und kein alle Fälle abdeckender Algorithmus. Integration erfordert trainiertes Raten, Benutzung spezieller Umformungen (Integration durch Substitution, partielle Integration), Nachschlagen in einer Integraltafel oder Benutzung spezieller Computer-Software. Oft erfolgt die Integration nur näherungsweise mittels so genannter numerischer Quadratur."

 

Wahrhaftig, so ist es. Kommt mir sehr bekannt vor.

 



Tyrannosaurus auf Nahrungssuche

Zeugungstag

(Yucatan,

vor 65

Jahrmillionen)

 

Es liegt nun

schon einige

Jahre

zurück,

doch vergessen

ist nichts:

Ein Komet

hat ein Date

mit der Erde

gehabt.

 

Da hat es

nach zahlreichen

Toten

und etlichen

Übungs-

einheiten

zuletzt

mit der Zeugung

des Menschen

geklappt.

 

In welcher

Arena

(und wie?)

wird der Nächste

gezeugt,

der den Himmel

entweiht

und die Schätze

der Erde

verknappt-?

 

2.2.12





Gedanke

des Tages

 

Ich habe heute

den ganzen Tag

noch keinen

größeren

Gedanken gehabt -

nichts, was mich

erlöste...

 

Aber jetzt

sitze ich dir

gegenüber,

schaue dir lang

in die Augen -

und da ist er:

der größte-!

 

22.2.12

 



 

Schale sein

 

Wir sollen Schale sein

und nicht Kanal,

dass wir nicht alles

weitergießen,

dass wir nicht leer werden

mit einem Mal

und wir nicht aus-, nur

überfließen.

 

Wir sollen Schale sein

und nicht Kanal,

dass wir empfangen

auch und hören,

dass wir nicht arm werden

und schwach und schmal

und wir uns gebend

nicht entleeren.

 

Wir werden nicht

der großen Quelle gleich,

wenn wir Kanal

sind, nur als Schale

bewahren wir

die Fülle, bleiben reich

und werden mehr

mit jedem Male!-

 

4.2.12



 

Anmerkung: Weil es schon lange angefangen herumlag, habe ich heute dieses "Kirchenlied" zuendegeführt, das auf einem zeitlosen und mich berührenden Text aus dem 12. Jahrhundert beruht, der da im Wesentlichen lautet:

 

"Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter, denn sie weiß, dass der verflucht ist, der seinen Teil verringert... Wir haben heutzutage viele Kanäle in der Kirche, aber sehr wenige Schalen. Diejenigen, duch die uns die himmlichen Ströme zufließen, haben eine so große Liebe, dass sie lieber ausgießen wollen, als dass ihnen eingegossen wird, dass sie lieber sprechen als hören, dass sie bereit sind zu lehren, was sie nicht gelernt haben und sich als Vorsteher über die anderen aufspielen, während sie selbst nicht regieren können... Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigebiger als Gott zu sein. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Die Schale schämt sich nicht, nicht überströmender zu sein als die Quelle... Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen... Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich."

 

Bernhard v. Clairvaux (1090-1153)





 

 

Reise durchs Sternbild der Liebe

Er ergab sich ihr WIDDERstandslos.
Sie war STIERisch gut drauf.
Ihre ZWILLINGsnaturen
KREBSten nicht herum. Sie hatten einen Lauf.

Gut gebrüllt, LÖWE!
Man war aus der JUNGFRAUenzeit schon heraus.
Wie schön hielt sich alles die WAAGE!
Der SKORPION fuhr langsam seinen Stachel aus.

Das SCHÜTZEnfest begann.
Sie kannten den STEINBOCK der Liebe genau.
Sie nannte ihn den Großen WASSERMANN,
doch war er nur ein kleiner FISCH in einer Frau.

2./3.2.12

 

Der «Equicanigattus» - das ideale Haustier: Ein wenig Hase, der Rest ist Hund und Katze mit einem Pferdeschwanz. Das Bild zeigt eines der seltenen Exemplare im Jahre 2009.

 

 

Frage an sein Übertier

 

Bist du Hund

Nun oder Katz'?

Oder "und"?

Komm, sag's mir, Schatz!

 

Oder knurr's

Wie ein Wauwau

Oder schnurr's

Und mach miau!

 

27.1.12

 

 

Was seine K.

nicht sagt

 

Ich bin

die Schöne

mit der Tatze.

 

Du kannst

nie wissen,

ob ich streichle

oder kratze.

 

Ich lass'

dich glauben,

du seist

Herr am Platze.

 

In Wirklichkeit

bist du

das Haustier

deiner

Miezekatze-!

 

28.1.12

 



Was hat er, das ich nicht hab'?

 

 

Was das hat

 

Das hat was.

Jawohl.

Das hat

wirklich was.

Irgendwas

wird das

schon haben.

Bleibt nur noch

zu fragen:

 

Was hat das?

Was ist's,

das das hat?

Hat das

doch nichts-?

Jetzt hab' ich's:

Das hat was,

"das hat was"

zu sagen!

 

10./13.12.11

 

Anmerkung: Jetzt weiß jeder, was es damit auf sich hat. Die Beantwortung dieser Frage war schon lange überfällig!



Weiterungen

 

Ich weiterte mein Ich

um dich,

 

du weitertest dein Ich

um mich.

 

Doch weitert unser Ich

noch immer sich

(es ist ein rätselhaftes Tier):

 

Verheißungsvoll liegt zwischen dir

und mir -

 

das WIR!

 

19./24.11.11

 

Anmerkungen: Ich habe in diesem Gedicht besonders versucht, die mich in (sog. modernen) Gedichten oft störende erschlagende Überfülle von Bildern - bis auf eine Ausnahme - durch größte Ökonomie in der Wortwahl zu ersetzen. Ich habe versucht, den Klang und die (fast) unendlichen Möglichkeiten der deutschen Syntax wie ein Musiker "auszuhören" und mit dieser meditativen Beschäftigung längere Zeit hingebracht. Ich hoffe, der Versuch ist gelungen.

 

Der Titel ist an H. M. Enzensberger angelehnt, auf dessen Gedicht sich mein Text ansonsten nicht bezieht.



 

Anton G. Leitners

Berufe

 

Er hat viele Berufe:

 

Zuckerfabrikant,

 

Bäcker,

 

Winzer,

 

Lampenhersteller.

 

 

Er ließ Gedichte drucken

 

als Überlebensmittel

auf Feinzuckertütchen,

 

als Grunderfahrungsmittel

auf Brötchentüten,

 

als Antiverdrussmittel

auf Weinetiketten,

 

als Erleuchtungsmittel

auf Lampenschirme.

 

 

Weil Gedichte

 

das Leben

versüßen,

 

die Seele

sättigen,

 

das Bewusstsein

erweitern

 

und den Geist

erleuchten!

 

15./16.10.11



Anmerkung: Anton G. Leitner, deutscher Schriftsteller und Verleger, ist Herausgeber der Zeitschrift "DAS GEDICHT".

 




Sie ist schön

(und weiß es)

 

Sie ist schön,

ist wunderschön -

so schön,

dass man es

fast verbieten

müsste.

 

Doch sie wäre

noch ein wenig

schöner,

wenn sie es

nicht so gut

wüsste-!

 

22.10.11





Wortergreifung

 

Ach! Ich ergreife das Wort,

und das Wort ergreift mich.

Und Besitz von mir.

 

Ich bin ergriffen:

Ganz ohne Ergreifungsgesetze

erschlich es

die Macht über mich!

 

Doch ich klage nicht.

Besser die Macht über mich

als die Flucht vor mir,

die es so gern

zu ergreifen beliebt.

 

Seiner ohnmächtig

habe ich stets

augenblicklich begriffen,

wie sehr ich es liebe,

ergriffen zu werden

von SEINER Gewalt!

 

13.9.11



Anmerkung: Ähnlichkeiten mit Wortprägungen historischer Personen und realen Handlungen aus einer dunklen deutschen Epoche sind rein unzufällig.

 


Vom Glauben

und vom Vertrauen

 

Wer nichts weiß,

der weiß nichts.

 

Aber man muss

sehr viel kennen,

um zu wissen,

dass man nichts wissen kann.

 

Die einander

nicht kennen,

die schweigen sich an.

 

Aber man muss

sehr viel miteinander

geredet haben,

um zusammen

schweigen zu können!

 

30.8./1.9.11

 



Doppelte

Umarmung

 

Du umarmst mich

von vorn -

 

doch du stärkst mir

den Rücken:

 

Ich steh' nicht

allein!

 

So verarme

ich nicht.

 

26.8.11



 

Luther heute

 

„Ich stehe für nichts.

 

  Ich kann auch anders.

 

  Ich helfe mir selbst.

 

  Halleluja!“

 

22.8.11



 

Blick ins Weltall

Koloskopie

 

Die Spiegelung war kein Vergnügen:

Ich musste mich so sehr entleeren,

wie ich es sonst mit Grund vermeide,

selbst wenn die Verse süßer wären.

 

Die Reise in mein Innenleben

als solche war nicht zu verachten.

Man muss das mal erfahren haben,

sich selbst von innen zu betrachten!

 

Ich sah ein Weltall, einen Kosmos,

mir kamen riesige Gedanken!

Nur die verdammten Schwarzen Löcher,

an denen kann ich noch erkranken.

 

Und was war das? "Polypenstümpfe"?

Der Arzt entnahm ein Stück Gewebe:

"Wir lassen das mal untersuchen."

Na ja, noch scheint es, dass ich lebe.

 

Auch soll man nicht den Helden spielen:

Es gibt doch weniger Theater,

man schläft bei alledem und hat dann

im Bett nicht Beckenbodenkater.

 

Im Ganzen war es ein Erlebnis:

In mir sind wahre Universen -

doch nun beweis' ich meinen Reichtum

mir vorerst wieder gern in Versen!

 

7.8.11

 



Der Klimawandel

und die Leute

 

Es gibt keinen

Klimawandel

sagen die Ignoranten

 

Es gab schon immer

Klimawandel

sagen die Relativisten

 

Mich wird

der Klimawandel

nicht mehr betreffen

sagen die Egoisten

 

Der Mensch ist nicht schuld

am Klimawandel

sagen die falschen

Humanisten

 

Der Klimawandel

hat auch sein Gutes

sagen die Zweckoptimisten

 

Der Klimawandel

ist der Klimawandel

ist der Klimawandel

 

sagen jene,

die versuchen,

die Wahrheit

zu erkennen

 

18.7.11



 

Wilhelm Busch, "Fipps, der Affe"

Affen

 

Sie benutzen

Werkzeuge.

 

Sie zeigen Trauer,

können schwierige

Probleme lösen.

 

Sie können rechnen

und sie haben

eine Art von Sprache.

 

Ja, sie führen

sogar Kriege.

 

Einfach genial,

diese Affen!

 

25.1.11

 

 

Das Ding

 

Er tat sein Bestes,

doch sein Bestes

war nie gut genug.

Jetzt tut

 

er einfach nur

sein Ding.

Und plötzlich

ist es gut!

 

6.9.10

 

 

Anmerkung: Angeregt durch folgendes Zitat: "Ich bin keiner, der dazu taugt, an die Spitze irgendeiner Partei gestellt zu werden, denn ich muss meinen Weg allein und in Frieden gehen und hab' ihn auch nie mit einem anderen gekreuzt." (Johannes Brahms in seinem Todesjahr 1897)

 
 

Den Leuten


Er hielt

den Leuten

einfach nur

den Spiegel

vor.


Keiner

sollte sagen,

dass er ihnen

Vorhaltungen

machte!


23.8.10

 

 

lesende Eule

Vom Lesen

 

Warum ist es wichtig lesen zu können?

 

Ohne lesen zu können,

bekommt man schlecht Arbeit,

man kann nicht einkaufen

oder nur Produkte kaufen,

die man schon kennt;

 

man kann die Straßennamen nicht erkennen,

Formulare nicht ausfüllen,

keine Geschäftsbriefe lesen

und Fahrplane nicht entschlüsseln.

 

Namen und Adressen

muss man sich immer merken;

 

Restaurantbesuche

und Eissorten auswählen

sind nur mit lesender Begleitung möglich.

 

Rezepte und Waschzettel

bleiben ein Geheimnis -

 

man ist stets auf Hilfe angewiesen!

 

Warum aber ist es wichtig zu lesen?

 

Es ist wichtig zu lesen,

damit die Arbeit,

das Einkaufen

und die Produkte

nicht alles sind;

 

damit das Leben sich nicht

in Straßennamen,

Formularen

Geschäftsbriefen

und Fahrplänen,

in Namen und Adressen

erschöpft;

 

damit Restaurantbesuche

und Eissorten

nicht die einzigen Genüsse bleiben

 

und damit es Geheimnisse gibt,

die über Rezepte und Waschzettel

hinausgehen!

 

4.1.11

 

 

 Geht doch!

 

Solange

Verse

unverständlich

klingen müssen,

 

will kein Mensch

was von ihnen

wissen -

 

und das ist auch

verständlich.

 

(Na endlich-!)

 

29.5.11

 

 

 

 

wird fortgesetzt