A

ufklärung ist der Ausgang

des Menschen aus seiner selbst

verschuldeten Unmündigkeit.

 

(Immanuel Kant)

 

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"Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben (…) Es ist so bequem, unmündig zu sein." ;-)

 

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moralischer Zeigefinger

Gedanken des Tages

In dieser Rubrik sind jeweils ein oder zwei Gedanken, die zum Nachdenken anregen sollen, zu lesen. Sie sind als Epigramm, ausnahmsweise auch als Aphorismus oder als Gedicht formuliert und werden zwar nicht täglich, aber doch von Zeit zu Zeit durch den oder die nächsten ersetzt. Sie können auch einmal "von fremder Hand" sein... Die Epigramme werden ins "Gedankentagebuch", die Gedichte ins "Lyriktagebuch"  "weiterverschoben". Tondateien, aktuelle Links und die Homepage Betreffendes können zusätzlich hier zu finden sein.

 

 

Veröffentlichung eines Gedichtes von mir hier:

 

https://stanlafleur.wordpress.com/tag/applaudissement/ (Aufnahme der Zeitschrift ins Münchner Lyrikkabinett) (19.06.2015)

 

und hier:

 

http://www.wg-enger.de/fileadmin/wge_enger/rumpelstilzchen/Fassadenflucht.pdf (01.09.2015)

 

und hier:

 

http://www.lyrikgarten.de/der-mann-der-auf-dem-mittelstreifen-einer-strasse-starb/2015/10/15/ (15.10.2015)

 

und

 

im Hildesheimer Beschwerdechor qua Aufführung http://www.rapid-arts-movement.de/chor.html. (14.+15.11.2015)

 

 

 

Empathie im Blick: Karlheinz Böhm. (Bild von der Homepage "Menschen für Menschen")

Epitaph für Karlheinz Böhm
(† 29. Mai 2014)

 

Er wollte nicht nur Kaiser sein.
Das war zu klein.

Drum ließ er alles los
Und ging nach Afrika

Und war als „Mensch für Menschen“ da.

 

Und das bleibt GROSS-!

 

 

Anmerkung: Da mich der Tod von Karlheinz Böhm in diesem Ebola-Jahr ganz besonders bewegt hat (so wie er selbst zeitlebens), habe ich mich sehr über die Rückmeldung gefreut, die ich von der Stiftung "Menschen für Menschen" bekam: "Das schöne Epitaph, das Sie für unseren Stiftungsgründer Karlheinz Böhm verfasst haben, hat uns sehr berührt. Uns ist die Gewissheit Trost, dass alle, die ihn kannten, seiner und seinem Lebenswerk stets mit Achtung und Respekt gedenken werden."

 

 

visuelles Gedicht "Wirtschaftswachstum" vom 12.11.14

 

 

Du liest: / „Es ist Krieg.“ / Es ist Krieg / Und du liest.

(Frederike Frei)

 

"Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du." (Mahatma Gandhi)

das aktuelle Gedicht

Hier finden sich - ab 2011 - locker und selbstverständlich subjektiv gefügte Jahresrückblicke. Sie greifen manche aktuelle Schlagzeile auf, durchsetzt von kursiv wiedergegebenen Gedichten, die dem Immmergleichen des Jahreslaufs folgen - sei es der Jahreslauf der Natur, der Kultur, der kirchlichen und weltlichen Feiertage, der Ferien, der Himmelskörper oder schlicht des Kalenders... 

2014

Resümee des Jahres 2014
 
Unbelehrbar blieb der Mensch und
eine zweite Erde unauffindlich.
Endlich blieb das Leben
und die Welt blieb unergründlich.
 
Anmerkung: Diese Ende 2014 entstandene Epigramm kann schon im erst wenige Tage alten Neuen Jahr fortgeschrieben werden, denke ich... Ich wünsche dessenungeachtet allen Besuchern meiner Homepage noch nachträglich ein frohes und segensreiches neues Jahr.
 
13. Januar 2015
 
 

Jahreswende-Rituale
(für Freunde klassischer Musik)

 

Das alte Jahr geht mit der „Fledermaus“.
Das neue kommt nach altem Brauch
Jahrein und auch jahraus
Zur Abwechslung mit Johann Strauß
(samt Brüdern und dem Vater auch).
Wer spielt? Na klar: die Wiener.

Doch zwischen all dem Ohrenschmaus
Als Zeichen in der Sendepause
Und dass auch mal das Maulwerk schmause
Gibt’s Böller und Berliner.

 

im Advent 2014

 

 

Finnisches Weihnachtsdorf
auf dem Hannoverschen Weihnachtsmarkt

 

Er kommt nicht aus dem Inland.
Man sagt, er kommt aus Finnland.

Doch Eingeweihte wissen auch: Er parkt
Alljährlich auf Hannovers Weihnachtsmarkt.
Er trifft hier heimlich seine Lappen,
Trinkt einen Schluck, isst einen Happen -
Doch so, dass keiner sonst es merkt!
Dann fährt er weiter, wohlgestärkt…

Von wem ich spreche, fragt ihr Nasen-?
Ich spreche nicht vom Osterhasen!
Doch leise, leise, wenn ihr’s wisst,
Weil er inkognito hier is(s)t!

 

im Advent 2014

 

 

Adventstrank

 

1. Glühwein
2. Glühwein
3. Glühwein
4. Glühwein

5. Glühwein
6. Glühwein
7. Glühwein


Wein 8

 

 

im Advent 2014

 

 

Gedanken beim Weihnachtseinkauf

Ich geh` Geschenke finden,
als ob ich in die Pilze geh`.
Mit etwas Glück denk` ich’s zu schaffen
(und etwas Geld im Portemonnaie).

Doch kann ich sie wie Pilze sammeln-?
Ich wünsch` mir noch was, das ich nirgends seh` -
es schenkt sich mir, es muss mir einfach kommen:
die rechte Einfühlung und die Idee!

30.9.14

 

Weihnachtsmischbeutel, ALDI Nord, 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weihnachten bei Aldi
(Anfang Oktober vorzutragen)

Zu früh der Weihnachtsmann aus Schokolade und die Printen!
Zu früh der Butterstollen samt Rosinen und Korinthen!

Zu früh der „Weihnachtsmischbeutel“ (einst: „Apfel, Nuss und Mandelkern“)!
Zu früh auch der Adventskalender und der Weihnachtsstern!

Zu früh der Zimtstern, all der Zimt und Zauber, Zirkus und Zinnober!
Was quält mich Aldi mit dem Weihnachtsquark schon im Oktober?

Zu früh der Spekulatius - will ich jetzt schon spekulieren?
Kann ich die Marzipankartoffel etwa grillen und frittieren?

Wer will zum Einkauf gehn und alles schreit: „Zu früh, zu früh, zu früh!“?
Warum gibt hier der Winter schon im Frühherbst sein Debüt?

Was soll der Nugat-Baumstamm? Lustig grüßt der Apfel von den Bäumen.
Warum lässt Aldi mich schon jetzt vom Weihnachtsmann (alb-)träumen?

Hat mich der Kerl mit seinem Sack nicht gestern erst erschlagen?
Ich muss gestehn: Das geht mir auf denselben, schlägt mir auf den Magen!

Ich lieb` den Alten sehr, doch alles - jedes Ding - hat seine Zeit.
Denk` ich nicht so schon oft genug an die Vergänglichkeit-?

Zu spät-! Doch bitte, Aldi, bring` die Zeit - und mich - nicht ganz zum Rasen:
Verschon mich kurz nach Neujahr - bitte, bitte! - mit dem Osterhasen!-

16./17.11.14

 

Anmerkung: In Unkenntnis der Episode „Weihnachten im Oktober“ aus der Hörspielreihe „Stenkelfeld“ (NDR) geschrieben.

 


Was wir für die Zukunft brauchen

 

a) Mut

b) Mut

c) Mut

 

Demut

 

18.8.13

 

 

Anmerkung: Vom 1. bis 12. Dezember 2014 wird die Klimakonferenz (COP 20) in Lima stattfinden. Stirbt die Hoffnung zuletzt?

 

 

Artikel, der 1962 die Spiegelaffäre auslöste.

Bedingt abwehrbereit


In schlechtem Zustand ist das Militär,
Die so genannte Bundeswehr:
Marine, Luftwaffe und Heer.

 

Doch ich sehe das als Sieg:
Offenkundig plant die Republik
Augenblicklich keinen Angriffskrieg!

 

 

Epitaph für die DDR

Vierzig werdend sprachst du noch von Dauer,
Doch es lag bereits was in der Luft
Und der Tod schon auf der Lauer:

Plötzlich fiel die Mauer
Und schon stiegst du in die Gruft!

Überschaubar blieb die Trauer.

 

 

Als der Herbst durchs Fenster schien

Ich sitz` im Zimmer hier
Und du, du klagst mich an.
Was mach` ich nur, du Goldener, mit dir?

So nehm` ich denn ein Blatt Papier
Und tu`, was ich am besten kann:
Und denk‘ dich mir!

30.9.14

 


Foto von www.postkarten-verlag.de

Farben des Herbstes

Es ist das alte Lied:
Die Zeit, sie rennt!

Man sieht
Es im Moment
Besonders gut.

Das Laub wird gelb und rot
Wie Blut.
Es ist ein Traum.

Und wenn es fällt,
Dann ist es tot.

Doch weiter lebt der Baum.

Ich mag dich, bunte Welt!-

23.9.14

 

Anmerkung: Angeregt durch eine Postkarte von Claudia Schulte.


Sprnegel Museum Hannover, neuer Anbau (August 2014)

Die Bausünde

 

Erst regt man sich ganz furchtbar auf

Und tobt und schreit und stöhnt -

Doch alles geht vorüber.

 

Bald lacht man drüber.

Dann pfeift man drauf

Und hat sich dran gewöhnt.

 

 

 

 

Götze

Unser Dank geht an die ganze

MANNSCHAFT - als da waren…


…über allen und allen voran
der Yogi und Löwe, sodann:

der alle Schweine übersteigt
die (deutsche) Boa
die Hummel
der gar nicht lahme Philipp
Müller II.
der gegen Mostefa kämpfte
(„Mustafi“)
k. u. k.: Klose und Kroos
(per Brasilien im Erfolg vereint)

Özil - „Schildkröt“ - Zauberfuß
(der Flitzer mit den Tattoos)

ein Neuer
Kehrwieder
Polski
Acker
spät erst ausgekramt:
der Kramer und der Kraxler
Benedikt XV.
(Großkreutz und Zieler
grüßten von der Bank)
der Götzen(be)diener („Schürrle“)…
…und natürrrlich der göttliche Götze

(der Joker des Yogis, der Talisman,
  der Wunderzwerg, der da sprach: „Yes we can!“) -


15./19.7.14

 

 

Anmerkung: Alle Spieler, die bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 im Einsatz waren und die deutsche Mannschaft am 13. Juli zum Titel führten, sind genannt. Dazu Trainer Joachim Löw sowie die Ersatzspieler Kevin Großkreutz und Ron-Robert Zieler. Unerwähnt von den mit nach Brasilien gefahrenen Spielern bleiben allein die ebenfalls nicht eingesetzten Roman Weidenfeller, Matthias Ginter und Erik Durm.

 


"Die Erde wirkt eher wie eine Kartoffel."

Was der Ball mit uns macht

Der Ball ist runder
als die Erde,
doch er ähnelt ihr.
Die große und kaputte
macht er heil und klein.

Er gibt uns
für ein paar Minuten
das Gefühl,
sie könnte doch womöglich
eine runde Sache sein!

 

 

"Fast auf Augenhöhe: Bundeskanzlerin Merkel trifft US-Präsident Obama"

Edward Snowden

 

Er sagte uns, dass wir bespitzelt werden -
Die Schäfer wie die Herden.
Der Täter
Verunglimpfte ihn als Verräter.
Doch vielen galt er als ein Held.
(Man sprach von Heldentum!)
Das war sein zweigeteilter Ruhm.
So ist die Welt.


Nun wissen wir, dass wir bespitzelt werden…
Sonst änderte sich nichts auf Erden.
Zufrieden grunzt der Täter.
Sind wir nicht selber die Verräter -
Die Herrscher wie die Horden?
Es geht allein um Geld.
So ist die Welt.

 

Geworden.

 

3./4./6.5.14

 

Anmerkung: Am 2. Mai 2014 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Windschatten der Ukraine-Krise, die transatlantische Freihandelszone im Blick, de facto eingewilligt, dass sie und alle Nachfolger von der NSA ausspioniert werden. "Das No-Spy-Abkommen, das die USA zunächst in Aussicht gestellt haben, wird es nicht geben. Unbefriedigend sei das, heißt es in der Bundesregierung. Der Rest ist Schulterzucken. (...) Die USA sind ein schwieriger, aber eben auch ein wichtiger Partner. Das Handelsvolumen – bedeutend. Da will man mal nicht so sein." (Berliner Zeitung)

 


Der Klimawandel
(als ich die Tageszeitung lese)


Das Klima wandelt durch
den Blätterwald.
Wie ein Gespenst
kommt es von Zeit zu Zeit in Sicht.
Und so
auch jetzt.


Doch das Gespenst
verschwindet bald.
Man ist ja aufgeklärt
und an Gespenster glaubt man nicht.
Der Spuk
wird fortgesetzt.

 

30.4.14

 

Anmerkung: Viertwärmster April seit 1881 - seit Dezember 2013 alle Monate zu warm. Der April 2014 reiht sich nahtlos in die seit Dezember 2013 bestehende Serie deutlich zu warmer, sehr trockener und sonnenscheinreicher Monate ein. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen. Zwei Monate später: weltweit wärmster Juni seit Menschengedenken.

 


Osterlamm (aus Teig)

Urbi et Orbi (für Papst Franziskus)

Der Papst beklagt den Hunger in der Welt.
(Er macht das gut und ohne Phrasen.)

Ich fresse einen
Schokoladenosterhasen.

Der Papst beklagt die Kriege und verlangt,
sie sofort zu beenden...

Ich köpf` ein Osterlamm (aus Teig) -
und das mit bloßen Händen.

Der Papst wünscht angenehme Mahlzeit,
teilt den Ostersegen aus und geht.

Der Segen kann nicht schaden,
doch die Mahlzeit kommt zu spät!

20./23.4.14

 

Anmerkung: Kriege bzw. Bürgerkriege 2014 u. a.: Russland - Ukraine, Israel - Palästina, Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan, Sudan, Nigeria. Insbesondere ist eine (weitere) Destabilisierung ganzer Weltregionen zu beobachten, die sich ringförmig um Europa anordnen lassen: Nord- und Zentralafrika, Naher und Mittlerer Osten, GUS. Auch das anhaltende, ja zunehmende Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer sei erwähnt. Insofern kann die Welt den Segen des Papstes tatsächlich gut gebrauchen...

 


Osterhase (nicht aus Schokolade)

Ostern


Was immer sei -
Es bleibt das Kreuz
Und seine Überwindung.

 

Der Hase und das Ei
Sind auch nicht ohne Reiz -
Doch nur Erfindung!

 

20.4.14

 

 

 

 

Vom Vorteil, kein Politiker zu sein

 

Was sich Poltiker nicht leisten können,

Das ist dein insgeheimes Glück zu nennen:

Von all dem Mist, der auf der Welt geschieht, erfährst

Du meist - und das genügt dir! - aus der Zeitung erst.

 

Auch müssen jene trotzdem Zeitung lesen,

Aus Angst, sie sind nicht informiert gewesen.

Du aber, hast du diese Welt mal richtig satt,

Bestellst es einfach ab, das olle Käseblatt!

 

Anmerkung: Gilt auch für neuere Medien. Angeregt durch den Fall Sebastian Edathy, der eine Regierungskrise nach sich zog, nachdem am 10. Februar 2014 seine Wohnungen und Büros durcvhsucht worden waren. E. wurde bezichtigt, Kinderpornographie über das Internet bestellt zu haben. 

 

 

 Wider die Überzuckerung der Welt

(zu Facebooks 10. Geburtstag

am 4. Februar 2014)

 

Ich habe immer wieder festgestellt,

Dass Zuckerbergs Gefällt-mir-Welt

Mir gar nicht gut gefällt.

 

Doch eine Welt voll Kühle,

In der nur allen nichts gefiele,

Ist auch - vermutlich - nicht das Ziel der Ziele.

 

Und würde man die Menschen nicht verleiten

Mit einem Button, einem zweiten,

Sich permanent zu streiten-?

 

So sag' ich kurz und knapp,

Nachdem ich dies erwogen hab':

Herr Zuckerberg, schaff Facebook wieder ab!-

 

27.1.14

 

Anmerkung: Mark Elliot Zuckerberg (1984 - ) ist ein US-amerikanischer Unternehmer. Er ist Gründer und Vorstandsvorsitzender des Online-Netzwerks Facebook und hält an diesem einen Anteil von 28 Prozent. (nach Wikipedia)

2013

Drei Kreuze bei Tauberfeld.

Silvester

 

Mach hinter dieses Jahr

ein großes Kreuz

(vielleicht auch drei) -

in jedem Fall

mach einen Haken dran,

so dass mit Schwung

das nächste kommen kann!

 

Dann klopf auf Holz

(dreimal ist Brauch)

und triff die Wahl

und geh beschwingt voran

und mach dein Kreuzchen dort,

wo 's weitergeht,

und kreuz das neue an!-

 

30.12.13

 

 

Advent.

Die nicht gestellte Frage

 

„Scheiß Weihnachten!“

sagt mein Bekannter

(den ich ab und an

beim Einkauf treffe)

und ich sage nur:

„Ich weiß...“

 

Selbst schuld!

Nun muss ich warten -

Monate vielleicht -

bis ich ihn wiederseh'

und fragen kann:

„Wieso denn „Scheiß“-?“

 

8./15.12.13

 


Nach(t)richten

 

1.) Im Jahre 2000

 

Guten Abend

Geld

Geld

Geld

Geld

Geld

Geld

Geld

Geld

Das Wetter

 

 

2.) Im Jahre 2100

 

Guten Abend

Das Wetter

Das Wetter

Das Wetter

Das Wetter

Das Wetter

Das Wetter

Das Wetter

Das Wetter

Gute Nacht

 

 

3.) Im Jahre 2200

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.3.06

 

 

Anmerkungen: Ab September 2013 Veröffentlichung des Fünften Sachstandsberichts des IPPC in Vorbereitung der Weltklimakonferenz in Warschau mit alarmierenden Zahlen. 1043 Wissenschaftler, über 6000 Fachartikel: Klimawandel menschgemacht, globale Durchschnittstemperatur bis 2100 bis + 4 Grad, Meerespiegel bis + 82 cm. Derweil illegale Festnahme von Greenpeace-Aktivisten durch Russland in der Hohen Arktis. Die Russen stecken dort bereits mit Fahnen ihre Ölfelder ab... (Lomonossow-Rücken)

 


Schneefeld (Seefeld) in Tirol am frühen Morgen des 11. Oktober 2013

Nach Theodor Fontane

 

Frühling, Sommer, Herbst und Winter,

Ach es steckt nicht viel dahinter.

 

Sommer im Frühling, im Herbst der Winter,

Ach da steckt doch was dahinter!

 

 

 

 

Hefeweizen

Herbstaufgaben

 

Pflück die fetten Blätter,

lass die angemalten Früchte fallen,

heiz dein Nest!

Du musst die Ähren ehren,

Hefe, Weizen,

Erntedank sei dein Oktoberfest!

 

Sei der Typ, der schräge Schatten,

langes Licht

und kurzen Tag ergreift!

Stell die Bereifung um

und wechsle deine Uhren,

wenn der Rauhreif reift!-

 

30.9./3.10.13

 

 

Trauerweide

Die Wiederbehaarung

der Bäume

 

Das Laub verfärbt sich

(Grün lässt nach),

dann fällt den Bäumen

ihre Haarpracht aus.

Da stehn sie nun

und haben eine Glatze!!

 

Doch anders als

auf alten Männerköpfen

ist das Blattwerk

schon in dreißig Wochen

wieder brav

an seinem Platze...

 

30.9.13

 

 

"Uns geht's doch gut" (Angela Merkel)

Es war nie der Schreiber Amt noch Art,
Alles gut zu finden, was geschah.
Wenn und Aber sind ihr Part -
Und so sei's auch in der Gegenwart!

Für das Amen und das Ja
Ist schon - die Regierung da!

 

 

Anmerkung: Bundestagswahl am 22. September 2013. Aus ihr geht nach schwierigen Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen eine Große Koalition hervor. Das Epigramm bezieht sich auf eine Äußerung Angela Merkels im Wahlkampf, die nicht ohne Widerspruch blieb.

 

 

Die langweiligste

Nachricht

 

Die langweiligste

Nachricht:

 

Bayern wählt.

 

Die zweit-

langweiligste:

 

Die Stimmen

sind gezählt.

 

Die spannendste:

 

Die absolute

Mehrheit

wurde knapp

verfehlt.-

 

27.9.08/15.9.13

 

 

Anmerkung: Bayernwahl am 22.  September 2013, zusammen mit der Bundestagswahl. Die CSU erringt wieder die absolute Mehrheit.

 


Erika Mustermann, nicht im deutschen Telefonbuch

Das Musterpaar

 

Herr Mustermann

war leicht zu nehmen,

aber seine Gattin

nahm's genau.

 

Sie nannte sich -

aus Gründen

der Gerechtigkeit -

nur Dame Musterfrau.

 

Bald sprach man

allerorten

von den Mustermanns,

doch das war ihr ein Graus.

 

„Man nenne bitte uns“,

befahl sie,

„jedes zweite Mal

die Musterfraus!“-

 

28.7.13

 
 

Anmerkung: In Deutschland gibt es 34 Telefonbucheinträge zum Namen Mustermann und damit ca. 90 Personen mit diesem Namen. Diese leben in 19 Städten und Landkreisen. Die meisten Anschlüsse sind in Friesland gemeldet, nämlich 7. Weitere Kreise/Städte mit besonders vielen Namensträgern sind Osnabrück (6), Bremerhaven (2), Bremen (2), Wesermarsch (2), Augsburg (2), Breisgau-Hochschwarzwald (1), Nordvorpommern (1), Magdeburg (1) sowie Frankfurt am Main mit 1 Einträgen. Heinrich Mustermann kommt in Deutschland am häufigsten vor. Elli sowie Wolfgang sind die nächsten oft gefundenen Vornamen, gefolgt von Tanja, Edda, Richard, Gerda, Peter, Horst sowie Ralf. (lt. www.verwandt.de, Stand: 29. August 2013) Der Familienname Musterfrau ist - bisher - nicht aktenkundig!

 


Hamburg im Mai, Bild von Malte Hübner
 

Bitte eines
kleinen Bäuerleins im Mai

Hochverehrter Sommer,
Seine Majestät!
Ich bitt' Ihn, komm Er!
Sonst ist's bald zu spät!

 

 

 

Anmerkung: Ende Mai 2013. Während Südostniedersachsen und danach - katastrophal - Süd- und Ostdeutschland im Regen ertrinken, scheint in Hamburg die Sonne. Es ist - natürlich - der Klimawandel, gegen den leider niemand entscheidend was tut.

 

 

Die Zukunft? Eine Zukunft?

Zwei schwimmen gegen den Strom

 

Sie leben zu zweit, seit sie Liebe erfuhren.

Nun denken sie an familiäre Strukturen.

 

Sie tun's demographischen Großtrends zum Trutz.

Familie steht unter „besonderem Schutz“!

 

Für andere sind sie jetzt Alternative,

Die längst schon am Aussterben sind (sukzessive).

 

Sie wünschen sich trotzdem den Haushalt mit Kind,

Wenn Kinder auch Wohlstandsgefährdungen sind.

 

Für sie ist es keine von vielen Optionen,

Mit Armutsgefahren zusammen zu wohnen.

 

Wer Kinder kriegt, gilt als skurril, ja abnorm,

Als Fan eines Lebens in gestriger Form...

 

Sie haben ein Herz für gefährdete Arten

Und wollen schon bald ihr Pilotprojekt starten.

 

Statistiker sprechen von „niedrigstem Stand“ -

Doch zwei bringen Hoffnung ins alternde Land!-

 

16.5.13

 

Anmerkung: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ GG Art. 6 (1). Aber die Familie wird zum Auslaufmodell: In Deutschland wohnen immer weniger Menschen mit ihren Eltern oder Kindern zusammen. 2011 lebte mit 49 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte der Deutschen in Familien, wie das Statistische Bundesamt Mitte Mai 2013 mitteilte. Vor 15 Jahren lag der Anteil noch bei 57 Prozent. Die Familie wird zum Auslaufmodell: In Deutschland wohnen immer weniger Menschen mit ihren Eltern oder Kindern zusammen. 2011 lebte mit 49 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte der Deutschen in Familien, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Vor 15 Jahren lag der Anteil noch bei 57 Prozent.
Lies mehr über Nur noch jeder Zweite lebt in einer Familie - RTL.de bei www.rtl.de
Die Familie wird zum Auslaufmodell: In Deutschland wohnen immer weniger Menschen mit ihren Eltern oder Kindern zusammen. 2011 lebte mit 49 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte der Deutschen in Familien, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Vor 15 Jahren lag der Anteil noch bei 57 Prozent.
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Die Familie wird zum Auslaufmodell: In Deutschland wohnen immer weniger Menschen mit ihren Eltern oder Kindern zusammen. 2011 lebte mit 49 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte der Deutschen in Familien, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Vor 15 Jahren lag der Anteil noch bei 57 Prozent.
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Die Familie wird zum Auslaufmodell: In Deutschland wohnen immer weniger Menschen mit ihren Eltern oder Kindern zusammen. 2011 lebte mit 49 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte der Deutschen in Familien, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Vor 15 Jahren lag der Anteil noch bei 57 Prozent.
Lies mehr über Nur noch jeder Zweite lebt in einer Familie - RTL.de bei www.rtl.de

 


Juri Gagarin, Held der Sowjetunion. Briefmarke von 1964.

Für den Mond

(kleine Mondgeschichte)

 

Erst sangen dich die Menschen lange an.

 

Doch irgendwann,

Da warst du dran.

Da flogen sie dir hinterher

Und störten deine Ruhe sehr!

 

Jetzt singen sie nicht mehr

Und lassen dich auch sonst in Ruh'...

 

Und du-?

 

Du schweigst dazu.

 

22.4.13

 

Anmerkung: Am 12. April, dem Jahrestag des ersten bemannten Raumflugs, erklärte Russlands Präsident Wladimir Putin, dass er einen Landsmann zum Mond befördern und dort eine feste Station einrichten will, die als Abschussrampe für Marsflüge dienen soll.





Bundespräsident Heinrich Lübke, Schah Mohammad Reza Pahlavi, Farah Pahlavi und Wilhelmine Lübke (v.l.n.r.) beim Empfang auf Schloss Augustusburg in Brühl, 27. Mai 1967

Schah-Besuch 2013

(Kurznachricht)

 

Ein paar nackte

ukrainische Frauen

erregten viel Aufmerksamkeit,

als der Schah uns besuchte.

 

Sie beschimpften ihn,

nannten ihn Mörder!

Der russische Schah aber lachte.

Ein Bodyguard fluchte...

 

Kein Protest an den Hochschulen.

Alles blieb ruhig

in Hörsälen, Mensen,

StudentInnenbuden...

 

Elf Studenten versäumten

die Vorlesung,

als sie die Nacktfotos

auf ihre Festplatte luden.

 

12./13.4.13

 

Anmerkungen: Gegnerinnen des russischen Präsidenten Wladimir Putin haben auf der Hannover Messe am 8. April 2013 für einen Zwischenfall gesorgt. Drei Frauen der feministischen Aktionsgruppe Femen, die in der Ukraine entstand, stürmten oben ohne auf die Bühne und beschimpften ihn als Diktator und Mörder. Der Deutschland-Besuch des persischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi im Jahr 1967 zog schwere Proteste und Krawalle nach sich. Diese Ereignisse gelten als Mitauslöser für die (Radikalisierung der) Studentenbewegung.

 

 

rotes Osterei

Das Ei in der Kirche

 

Ich merkte es, als ich mich setzte:

In meiner Tasche war ein Ei.

Wie kam es in die Hosentasche?

Ich habe sonst doch auch kein Ei dabei...

 

Weil aber Ostern war, platzierte

ich flugs das hartgekochte Teil

als Farbklecks neben dem Gesangbuch:

So sang ich besser und das Ei blieb heil.

 

Wir schmücken Weihnachten gar heidnisch

die Kirche mit dem Tannenbaum -

deshalb verweigerte ich Ostern

auch meinem Ei nicht Gottes Innenraum.

 

Der Pastor sprach so froh wie länglich

von Hoffnung, Tod sei nicht mehr Tod.

Da sah der Frühling durch das Fenster -

das Ei (und ich nicht minder) glänzte rot!

 

1.4.13



 

Nebelfrühling, modal

 

Der Nebel wusste nicht recht,

was er wollte

und wohin er sollte.

 

Doch weil die liebe Sonne,

die nicht konnte

und vergebens sonnte,

 

dass sie jetzt nicht mehr lange

warten musste,

aus Erfahrung wusste,

 

so dachte sie nur: „Dunst und

Schwaden mögen

sich noch etwas regen.

 

Sie werden nicht mehr allzu

lange dürfen!

Dann werd' ich sie schlürfen!!!“

 

22.3.13

 

Anmerkung: Der Nebelfrühling 2013 war auch und vor allem ein Schneefrühling.




weißer Rauch

Sixtina 2013

 

Schwarzer Rauch steigt auf.

Die potentiellen Päpste gibt’s zuhauf.

Doch fehlt es an dem Einen.

 

Schwarzer Rauch steigt auf.

Es stehn zu viele zum Verkauf.

Das ist normal. Nicht weinen.

 

Schwarzer Rauch steigt auf.

Das wird ein echter Dauerlauf.

Sie müssen abermals verneinen.

 

Schwarzer Rauch steigt auf.

Steigt wie ein Fragezeichen hoch hinauf.

Man fand noch immer keinen...

 

Weißer Rauch steigt auf.

Sie haben sich geeinigt. Doch worauf-?

 

Ach! Der ist jetzt der Chef der Seinen

Und Gottes erste Wahl!

 

Na, schaun wir mal-!

 

13.3.13

 

 

 

Berliner Republik

(am Beispiel des Wahljahres 2013)

 

Der Eine zu direkt,

Was keiner mehr versteht,

Die Andre zu verdeckt,

Was vielen ganz entgeht-:

 

DIE MITTE FEHLT.

 

Das quält.

 

 

Vatikanisches

Stellenprofil

(nur für Männer)

 

Wem ist es schon gegeben,

So ganz allein

Und ohne Frau

Zu leben?

Und wer ist obendrein

Auch noch so schlau

Und weiß genau,

Was Frauen nötig haben?

Nicht jeder hat die Gaben,

Der Papst zu sein.

 

Drum gilt der Job des Popen

Als schwerster in Europen!

 

21.2.13

 

Anmerkung: Am 11. Februar 2013 gab Benedikt XVI. während eines Konsistoriums bekannt, zum 28. Februar 2013 „auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, zu verzichten“. Er sei „zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“ Seit Gregor XII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. durch das Konzil von Konstanz (1414 ‒ 1418) ihre Ämter verloren, scheidet damit zum ersten Mal ein Papst zu seinen Lebzeiten aus dem Amt. Der letzte Papst, der dies aus eigener Entscheidung tat, war 1294 Coelestin V. (nach Wikipedia)

 

 

Symbolische Verkörperung der Fastenzeit beim Karneval, Teilansicht eines Gemäldes von Pieter Brueghel d. Ä.

Fasten-Wandel

 

Ich will

das Leichterwerden

genießen, wissend:

Leicht sein ist schwer.

 

Ich will

auf Überflüssiges

verzichten, erkennend:

Fast leer ist nicht leer.

 

Ich will

das Einzelne

neu wahrnehmen, lernend:

Auch sehr wenig ist sehr.

 

Ich will

zur Ruhe kommend

wacher werden, denn

weniger ist mehr!

 

15.2.13

 
Anmerkung: Als Fastenzeit oder als Passionszeit wird im Christentum der mehrwöchige Zeitraum der Vorbereitung auf das Hochfest Ostern bezeichnet. Sie erinnert an das 40-tägige Fasten Jesu Christi vor seinem öffentlichen Wirken. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet am Karsamstag. (lt. Wikipedia)


An meinen Abreißkalender

 

Du schenkst mir jeden Tag ein Blatt.

Du kommst dem Baum sehr nah:

 

Am Jahresende stehst

du ohne Blätter da!

 

Doch während ich beim Baum

noch lange warten soll,

 

bist du im Januar

schon wieder voll!-

 
25.12.12
 

2012

weihnachtliches personal

was

weihnachten ist

und warum

 

knecht ruprecht

christkind

nikolaus

 

weihnachtsmann

und

santa claus

 

so viel

personal

im selben

haus

 

doch wir

freuen uns

und schmeißen

keinen

raus

 

die welt

kommt ohne

dieses fest

nicht aus

 

16.10./12.11.12



 

Weihnachtswünsche...

(...mit gedachter Fortsetzung)

 

 

1.) Mensch von heute

wünscht frohe Weihnachten

 

Frohes Fest und guten Rutsch...

 

(...Und sollten wir uns

vorher nicht mehr sehn,

 

schon einmal: Frohe Ostern!

Und die andern, die noch

auf der Liste stehn!)

 

 

2.) Mensch von gestern

wünscht frohe Weihnachten

 

Frohe Weihnachten...

 

(...Den Neujahrswunsch

behalt' ich noch bei mir.

 

Jetzt kommt erst einmal

Weihnachten - und da

v e  r  w  e  i  l  e  n    wir-!)

 

 

14./16.12.12

 

Anmerkung: Entstanden nach einer wahren Begebenheit.

 
 

Weltuntergang 2012

 

Die Welt soll wieder einmal untergehn -

Der Mensch hört's gern in allen Ländern:

Es wird natürlich wieder nicht geschehn -

Der Mensch muss folglich sich nicht ändern.

 

 

 

 

Anmerkung: Laut Kalender der Mayas soll "die Welt" angeblich am 21.12.2012 untergehen... Demnach erleben wir das Weihnachtsfest nicht mehr. Das Bild zeigt keine Atombombenexplosion, sondern den Einschlag eines Kometen. Mehr dazu auf meiner "Umweltseite".

 
 
Sandsäcke vor der New Yorker Börse (30. Oktober 2012)

Wie mir erst heiß

und dann kalt wurde

 

Ich les' in der Zeitung:

Die Hitze

Soll noch viel mehr steigen.

Ich sitze

Und schwitze.

 

Ich höre kein Echo.

Ich spüre

Nur Schweigen

Nach dieser Lektüre.

Ich friere.-

 

21.11.12

 

Anmerkung: Am 19. November 2012 geistert durch die Gazetten:

"Weltbank warnt vor Vier-Grad-Katastrophe"

 
 
halloweenscher Gruselmond

Gespräch mit dem Mond

 

„Guten Abend, Mond!

Alles wie gewohnt?“

 

„Alles wie bekannt.

Gruß. Der Erdtrabant.“

 

 

 

Anmerkungen: Auch der Mond ist etwas nüchtern geworden und nicht mehr so romantisch wie ehedem. Zur Feier des noch fast ganz vollen Mondes am Reformations- und Gruseltag des Jahres 2012.

 
 
Felix auf dem Sprung

Körpersprache

 

Lass Worte fallen, Verse, Reime -

Das berührt die Herzen nicht.

Doch lässt du dich vom Himmel fallen,

So schreibst du ein ergreifendes Gedicht!

 

 

Anmerkung: Dieses Epigramm bezieht sich auf Felix Baumgartner, der am 14. Oktober 2012 aus 39 km Höhe auf die Erde sprang und heil unten ankam. Danach sagte er: „Ich glaube, wir haben Herzen berührt.“

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gottfried benn, hüttenweg 47, 14169 berlin

 

wo brecht und becher wohnen, wohnst du nicht, o nein

wie sollte das auch sein

mit denen hast du nichts gemein

so glaubtest du, im westen steht dein stein

 

du ruhst in dahlem unter einem andern stern

das ist genügend fern

für einen wohlgesetzten herrn

doch große kunst ist nah, das hast du gern

 

dort bist du also tot, hast früh daran gedacht

und dir nichts vorgemacht

und nie gemieden diese nacht

du wusstest nicht, ob man aus ihr erwacht

 

die ilse liegt bei dir, die andern weiß man nicht

der stein ist etwas schlicht

sie folgte spät, bei anderm licht

du brauchtest alle treue fürs gedicht

 

26.9.12

 

Anmerkung: Gottfried Benns Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in Berlin-Dahlem. Angeregt durch „Der Hugenottenfriedhof“ von Wolf Biermann. Dieses Gedicht hat sowohl zum "Bücherherbst" Beziehung, der wie jedes Jahr besonders im Oktober stattfindet (Buchmesse, Nobelpreis u.v.a.m.), als es auch schon zur "Stillen Zeit" passt, die dieses Jahr den Zeitraum vom 1. bis zum 25. November (Allerheiligen bis Totensonntag) umfasst. Also in der Tat ein Herbstgedicht, obwohl Gottfried Benn (70-jährig) im Sommer starb, was er beides vorhergeahnt hatte, wie Texte bezeugen.



 

 

Ein Ding

(nach Johann

Wolfgang

von Goethe)

 

Zwei Dinge

sollen Kinder

von ihren Eltern

bekommen:

Wurzeln und Flügel.

 

Und ein Ding

müssen Eltern

ihre Kinder

besonders

lieben lehren:

 

Die Natur

mit ihren

erhabenen Wundern

und unendlichen

Gleichnissen,

 

mit ihren

fest verwurzelten

Bäumen

und der Freiheit

ihrer Vögel!-

 

29.8.12

 

 Anmerkung:  Arktis schrumpft so stark wie nie. (September 2012) „Unser Planet erwärmt sich in einer Geschwindigkeit, die die Zukunft von Milliarden von Menschen gefährdet. Diese Zahlen sind keine Laune der Natur, sondern Ergebnis der Effekte von Menschen verursachter Erderwärmung, welche durch unsere Abhängigkeit von schmutzigen fossilen Brennstoffen hervorgerufen wird“, stellt dazu der Geschäftsführer von Greenpeace-International, Kumi Naidoo, fest.


 

Die Rettung des Euros

aus dichterischer Sicht

(chronologisch)

 

Euro

Neuro

Freuro

 

Teuro

Steuro

 

Streuro

Reuro

Treuro

 

Pseuro

 

Geuro

Deuro

 

Unsro



25.5.12

 

 

Sebastian aus Wien

Für einen kleinen Jungen,

der sich hat zum Mittelpunkt

der Erde graben wollen

 

Der kleine Junge,

der sich hat

zum Mittelpunkt

der Erde

graben wollen -

 

das hättest

du sein können,

wolltest du nicht auch

bis unters Wasser

graben?

 

Auch du warst

so ein kleiner Junge,

aber du hast

leben sollen.

 

Du warst

kein Forscher,

kein Pirat,

du hattest nicht

so große Gaben -

 

du gabst

auf halbem Wege auf

und ließest

von dem Abhang

eine Kugel rollen.

 

Er hob

sein Grab aus -

dich mit deinen

kleinen Träumen

muss die Erde

weiter haben!-

 

6.7.12

 

Anmerkung: Am 2 Juli 2012 grub ein Zehnjähriger auf dem Strand der Nordseeinsel Amrum neben dem „Piratenschiff“, einem Klettergerüst am Dünenrand, unbemerkt ein tiefes Sandloch, wurde verschüttet und erstickte. Erst nach tagelanger aufwändiger Suche wurde er gefunden. Der tragische Unfall ging durch alle Medien. In Erinnerung an eine wunderschöne Insel. 



 

 

Fußball und Lyrik

 

Der Ball muss ins Tor.

Ein Vers muss ins Ohr.

 

Anmerkung: Ersteres hat sich herumgesprochen,

Letzteres ist heutzutage weithin unbekannt...

 

 


Sport und Kunst

 

Nicht rechtens ist so manches Tor,

Bestechlich sind die Schiris -

Und das sogar vor aller Welt

Und ungezählten Augen!

 

Man stellt sich lieber gar nicht vor

Die Käuflichkeit der Jurys,

Wo unsichtbar das Urteil fällt,

Was unsre Werke taugen!



Anmerkung: Auch dieses Epigramm soll an die Fußball-EM erinnern, die in Polen und der Ukraine ausgetragen wurde. Europameister wurde Spanien. Außerdem fand im Sportjahr 2012 die Sommer-Olympiade in London statt.
 
 
Venustransit 2012, Planetarium Wien

Venustransit

(5./6. Juni 2012)

 

Ein schwarzer Punkt

auf einer

gelben Scheibe -

wie sind

wir Menschen klein!

 

Das nächste Mal

in über

hundert Jahren -

wie kurz

ist unser Sein!-

 

6.6.12

 

Anmerkung: Venustransit (auch Venuspassage oder Venusdurchgang) wird das Vorbeiziehen des Planeten Venus vor der Sonne genannt. Die Himmelserscheinung tritt höchstens zweimal im Jahrhundert auf. Erst 2117 wird sie wieder zu beobachten sein. Die Venus, nur unwesentlich kleiner als die Erde, hat beim Transit einen scheinbaren Durchmesser von 1/30 der Sonnenscheibe und bedeckt ungefähr 1/1000 von ihr. Sie erscheint im Gegensatz zu den Sonnenflecken völlig schwarz. (nach Wikipedia)

 


"Es ist das Osterfest alljährlich / doch für den Hasen recht be- schwerlich." (Wilhelm Busch)

Suchen und warten

 

Wir warten auf die Weihnachtsfeier,

Und Ostern suchen wir (die Eier)...

Wir suchen und wir warten -

Bei Kerzen dies und das im Garten.

Und so umfassen diese Feste

Das Schwerste wie das Beste.

 

Tun wir nicht beides permanent,

Auch ohne Hasen und Advent?

Wir suchen unser Glück (zuhauf!)

Und warten - wenn nicht auf

Das Ende unsres Seins,

So dieses doch auf unsereins-!

 

10.4.12

 

 Anmerkung: Kleines literarisches Osterei zum Osterdienstag. Ostern war dieses Jahr am Ostermontag schon wieder vorbei. Viel zu schnell!



 

Der 29. Februar

(heimlicher

Welttag der Kunst)

 

Du bist eigentlich

unmöglich.

Im Grunde bist du

unerträglich.

Es dürfte dich nicht

wirklich geben.

Bist du überhaupt

am Leben-?

 

Die Wissenschaftler

aber sagen:

Du wirst gebraucht,

um's „auszugleichen“...

Ach, du seltenster

von allen Tagen:

Nur die Künstler

können dich erreichen-!

 

2./4.3.12 

 

Anmerkung: Mit dem Begriff „Schaltjahr“ wird ein Jahr im Kalender bezeichnet, das im Unterschied zum Gemeinjahr einen zusätzlichen Schalttag und / oder Schaltmonat enthält, zumeist um die Differenz zwischen einem planmäßigen Kalenderjahr und dem Sonnenjahr (tropisches Jahr) auszugleichen. (Quelle: Wikipedia)

 



Pieter Bruegel d. Ä., "Winterlandschaft mit Eisläufern und Vogelfalle"

Das Eisvergnügen

(auf einem

 gefrorenen See)

 

Der Mensch

wird auf dem Eis

zum Punkt.

 

Auf kaltem Eis

gerinnt

das Sein

 

und

die Probleme

werden klein.

 

Der Mensch

wird auf dem Eis

zum Punkt.

 

Ein Punkt -

nicht mehr,

ob arm, ob reich.

 

So werden

alle Menschen

gleich.

 

Und weil

die Menschen

Punkte sind,

 

liegt

irgendwie

auf diesem Eis

 

ein Stückchen

von

dem Paradeis!

 

13.2.12



Wilhelm Busch, "Die Rutschpartie"

Als ich reingekommen war
(ein Neujahrsgedicht)

„Wie sind Sie reingekommen?“ „Nun,
  wie kommt man da schon rein?
  Ich konnte nichts dagegen tun -
  ich rutschte so hinein...

  Doch meinten Sie, wie kam ich raus,
  so ist die Antwort klar:
  Ich kannte mich gerade aus,
  als es vorüber war!

  Drum wäre es nicht schlecht,
  ich wäre noch darin...
  Ach ja, es ist mir gar nicht recht,
  dass ich nun reingekommen bin!“-

10.1.12

 

2011

 

Friedensentscheidend
(nach einer Zeitungsbeilage

 von Media Markt)

Ich lese:
Weihnachten wird unterm Baum entschieden.

Es ist Advent. Ist in der Stadt jetzt Krieg?

Wo's drunter geht und drüber geht-?

Entscheiden wir uns für den Frieden:

Es reicht, wenn unterm Baum die Krippe steht!

Da geht nichts drunter und nichts drüber.
Welch ein Sieg!

29.12.11/4./7./8.1.12

 

Anmerkung: Kleine Reminiszenz... Das Gedicht stellt auch ein Bekenntnis dar, denn es gibt für mich letztlich keine Alternative zu den zeitlosen und unsterblichen Gedanken des Neuen Testaments. "Alles ist eitel, du aber bleibst."

 

Jahreswende

an der Wasserkante

 

Zwischen den Meeren -

das ist mein Ort:

so im Offenen

und doch geborgen.

 

Zwischen den Jahren -

das meine Zeit:

nicht mehr

in den alten,

noch nicht

in den neuen Sorgen.

 

Doppelt dazwischen

bin ich ganz da:

Altjahrsabend

rundet sich

zum Jahresmorgen.

 

2.12.11

 



Die fernen

Kraniche

 

Die Kraniche,

sie flogen

wie ich

fliegen möchte,

wenn ich

fliegen lernte

(was bisher

 noch nicht

 geschah):

 

So wunderbar

geordnet,

doch unendlich

frei,

so ruhig,

sicher,

ganz weit oben,

nur dem Himmel

nah!

 

Ich wusste nicht,

woher

sie kamen,

wusste nicht,

wohin

sie wollten,

wusste nur,

dass ich

sie gerne sah.

 

27.11.11

 

Anmerkung: So gesehen am 20. November 2011 am Himmel über Osnabrück.



31. Oktober 2011

 

Als die Menschen

fünf Milliarden

wurden,

sorgte man sich

sehr ums Morgen.

 

Aber als es

sieben waren,

sah man

kaum noch Gründe,

sich zu sorgen!

 

1.11.11

 

Anmerkungen: 1987, als die 5-Mrd.-Grenze überschritten wurde, waren die Stichworte "Bevölkerungsexplosion" bzw. "Überbevölkerung" noch in aller Munde. Jahre, in denen auch noch Studien wie "Grenzen des Wachstums" (1972) und "Global 2000" (1981) lebhaft und öffentlich diskutiert wurden.

 

Siehe auch die Seiten Buch "Kurvendiskussion" bzw. Veröffentlichungen dieser Homepage.




Die Blätter

in der Vase

 

Als du

die roten Blätter

in der Vase

auf dem Tisch

wie Blüten

von dem Baum

gepflückt hast -

woran

dachtest du?

 

Dass du

sie vor dem Fall

bewahrst,

hast du gedacht -

so fügtest du

ein Gutes noch

dem großen

Herbstgefühl

hinzu!

 

6.10.11



(Un-)wort

der restlichen Jahre?

 

Aus AAA wird

also AA+:

Die können nicht mal

alphabetisieren,

die selbst ernannten

Herren dieser Welt.

 

Die bleiben stehn beim

ersten Buchstaben,

wenn’s hochkommt bei

den zwei, drei nächsten -

doch war am Anfang

weder A noch Geld.

 

Die können mich

am A lecken,

die können mal

mein Aa essen,

die sollten mal

zum Hausarzt - ja!

 

Wer A sagt, soll

nicht B sagen -

das Wort soll

es behalten!

Ich sag’ nur:

„Machen Sie mal.“

 

Ah-!

 

7.8.11

 

Anmerkung: Dieses Gedicht ist Ausdruck meiner Überzeugung, dass die "westlichen" Gesellschaften auf dem Weg von der Volksherrschaft zur Geldherrschaft weit fortgeschritten sind. Mithin ist in einem fatalen schleichenden Prozess immer mehr nicht mehr die Regierungsform der Demokratie ihr eigentlich prägendes Merkmal, sondern die Wirtschafts-

ordnung des Kapitalismus. (Der Rest der Welt, sich zunehmend am "Westen" orientierend, steigt gleich auf dieser Entwicklungsstufe ein. Stichwort: Chinaisierung.) Unvergesslich die Tage Anfang August, als der angeblich mächtigste Mann der Welt vor dem Urteil der Rating-Agentur Standard & Poors zitterte. Wer sind diese Leute-? Wie kann das sein-?


 

Sonnenstadt

Cité Soleil, Haiti


Hier wandelt

niemand

unter Palmen

ungestraft.

 

Das Mittelalter

kannte

noch nicht

das Rezept

 

für Pfannkuchen

aus Schlamm

und Salz

und Margarine.

 

Das Meer hinüber

locht man

Kugeln

in das Grün,

 

und nebenan

spaziert

der deutsche

Bademantel.

 

Was scheint

die Sonne?

Wer will diese

Hölle sehen?

 

13.1.10



Anmerkung: Wegen der furchtbaren Bilder aus Ostafrika nehme ich diesen Text aus meinem Buch "Kurvendiskussion" hier auf. Ich habe ihn nach dem Erdbeben in Haiti geschrieben und er mag daran erinnern, dass nach wie vor auch anderswo in der Welt gehungert wird - in zunehmendem Maße!

 

 

Grieg und Frieden

 

Erst denk’ ich:

Edvard Grieg -

der Name reimt auf „Krieg“.

Wie das? Sind diese zwei

nicht so verschieden?

 

Dann weiß ich’s:

Edvard Grieg -

das reimt sich auf „Musik“.

Und damit reimt sich Grieg

ja doch auf Frieden -!

 

23.7.11

 

Anmerkung: Anschläge in Norwegen. Es stimmt mich traurig, dass selbst eine der friedlichsten Ecken dieser Erde in den Strudel einer notorisch unruhigen Zeit hineingezogen wird. Mein Kommentar dazu soll dies Gedicht sein. TLR



 

„Sommerpause“

 

Die Tour

ist vorüber.

Die Literatur

sowieso,

die sich sportlich

gebärdet.

 

Von Klagenfurt aus

führt der Weg

zu den heiligen Hallen,

wo jetzt

die Musik spielt.

 

Nur sie

hat das Wort jetzt,

das keine

Verlierer

mehr kennt

und nur scheinbar

pausierte!

 

10.7.11



 

Griechenland

2011

 

Kommt jetzt

Europa

ans Ende,

 

wo einstens

Europa

begann?

 

Welch

erhabenes

Gleichnis!

 

Der Mythos

wird

fortgesetzt.

 

3.7.11

 

 

Nach einer Epidemie

(EHEC, 2011)

 

der Mensch

sieht doch

niemals

das Ganze

 

zu Risiken

fragt er

den Arzt

 

zu Nebenwirkungen

den Apotheker

 

der Packungsbeilage

entnimmt er

nichts

 

12.6.11

 

 

Wie der Kaffee sein muss

(ungesüßt nach einem

 arabischen Sprichwort)

 

das Dunkle

hat ewige Macht

wer kennt schon

den Ausgang der Schlacht

der Kaffee

sei schwarz wie die Nacht

 

nur Eine

verklärt uns das Trübe

ihr wisst schon

selbst wenn ich’s nicht schriebe

der Kaffee

sei heiß wie die Liebe

 

doch sind’s nur

Momente die heben

am Ende

musst du dich ergeben

der Kaffee

sei bitter wie’s Leben

 

21.5.11

 

Anmerkungen: Dieses Kaffee-Gedicht könnte das ganze Jahr über den Reigen der "aktuellen Gedichte" eröffnen, denn der sog. Arabische Frühling ist ja neben den verschiedenen Währungskrisen Thema des Jahres 2011. Es soll für die Verbundenheit mit der Arabischen Welt stehen. Kursiv gesetzt ist das arabische Sprichwort (sinngemäß) - das allerdings original das Leben für "süß oder bitter" hält. Weil aber die Frage "was bleibt" unbeantwortet bleibt und der Mensch sich ohne Antwort "am Ende [dem Dunklen] ergeben" muss, habe ich mir erlaubt, den Kaffee schwarz zu trinken. Daher im Titel das "Ungesüßt".

 


japanischer Farbholzschnitt Kanagawa, "Die große Welle"

Tsunami

(Japan, März 2011)

 

"Sie sind wohl einfach

  mitgerissen worden“

sagt der Mann

und lässt sich Zeit.

Er sitzt auf einem Stein.

 

Er schaut mit

unbewegter Miene

auf das Meer.

Das Meer ist weit.

Man schaut nicht recht in ihn hinein.

 

Nur eine Möwe schreit.

 

Als würde Urlaub sein.

 

14.3.11

 

 

 Zitate

 

Zitate haben viel für sich.

Zum Ersten zeige ich

Zitierend Bildung ganz dezent,

Und jeder denkt: Was der so kennt!

 

Zum Zweiten steh’ ich nicht allein;

Ich stimme glücklich überein

Mit einem andern Geist

(und keinem kleineren zumeist).

 

Auch stößt, wenn man als Paar erscheint,

So machtvoll-vorteilhaft vereint,

(als dritter Punkt) im Nu

Gar manches Herdentier hinzu.

 

Und viertens färbt ein wenig Glanz

Der großen Frau/des großen Manns,

Der/die dies Wort geprägt,

Auf mich ab (was mein Ego pflegt).

 

Drum sind auch diese Zeilen hier

Nach Wilhelm Buschs Manier,

Damit ihr alle gleich es wisst,

Welch toller Hecht ihr Autor ist-!

 

1./2./3.9.10

 

 

Die Selbstkritik hat viel für sich

 

Die Selbstkritik hat viel für sich.

Gesetzt den Fall, ich tadle mich:

So hab ich erstens den Gewinn,

Dass ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,

Der Mann ist lauter Redlichkeit;

Auch schnapp ich drittens diesen Bissen

Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff ich außerdem

Auf Widerspruch, der mir genehm.

So kommt es denn zuletzt heraus,

Dass ich ein ganz famoses Haus.

 

(Wilhelm Busch, 1874)

 

Giselheer

(zum 125. Geburtstag

Gottfried Benns)

 

Affen sind die anderen –

er war ein Tiger

in dem Urwald seiner Tage.

Hatte er sich weit

von unserer Natur entfernt!

Er ist schon lange tot.

 

Seine Krallen sind

wie Samt fürs Ohr, gemessen an

dem äffischen Geschnatter.

Er war immer sprungbereit.

Der Tiger, hört man, ist

vom Aussterben bedroht.

 

22.5.09 



Anmerkung: Die Dichterin Else Lasker-Schüler nannte Gottfried Benn abwechselnd "Giselheer", "Tiger" und "Barbar". Das Gedicht ist in meinem Buch "Kurvendiskussion" enthalten. Es existieren darüber hinaus weitere Texte zu Gottfried Benn, deren Übertragung bzw. Zusammenstellung eine Zukunftsaufgabe bleibt. Ich muss mich (bei ihm) entschuldigen, dass mir die Tatsache, dass er dieses Jahr Jubiläum hat, bisher entgangen war. Gottfried Benn vor allen anderen hat mir gezeigt, dass auch "moderne" Gedichte (was immer das ist) schön (was immer das ist) sein können.

 


Was alles herrscht

(zum 90. Geburtstag

  Erich Frieds

und den Kriegen

in der Welt und)

 

Ruhe

Ordnung

Gewissheit

Einigkeit

Gerechtigkeit

Frieden

und Wohlstand

herrschen

 

ja sogar

die Freiheit

herrscht

 

die Mächtigen

sowieso

 

und noch

manches andere

 

 

aber auch

 

Unruhe

Unordnung

Ungewissheit

Uneinigkeit

Ungerechtigkeit

Unfrieden

und Armut

herrschen

 

und natürlich

herrscht

die Unfreiheit

 

warum

die Ohnmächtigen

nicht

 

9./11.5.11

 

 

Lest weiter im "Lyriktagebuch"!